400.000 Euro Sind Nicht Automatisch Steuerfrei
Kinder können von jedem Elternteil einzeln 400.000 Euro steuerfrei erhalten — zusammen 800.000 Euro, aber nur wenn beide Freibeträge getrennt genutzt werden.

Viele gehen davon aus, ein Kind könne insgesamt 400.000 Euro steuerfrei von den Eltern erben oder geschenkt bekommen. Tatsächlich gilt dieser Freibetrag pro Elternteil einzeln — was rechnerisch einen deutlich größeren steuerfreien Rahmen ergibt, wenn man ihn richtig nutzt, aber genauso leicht falsch verstanden werden kann.
Die Freibeträge bei Erbschaft- und Schenkungsteuer richten sich nach der Steuerklasse und dem Verwandtschaftsgrad. Ehegatten und eingetragene Lebenspartner haben einen Freibetrag von 500.000 Euro, Kinder und Enkel (bei bereits verstorbenen Kindern) jeweils 400.000 Euro. Diese Beträge gelten unverändert seit 2009, während die Immobilienpreise in vielen Regionen Deutschlands seither deutlich gestiegen sind — ein einzelnes vererbtes Haus reicht dadurch heute schneller über den Freibetrag hinaus als noch vor eineinhalb Jahrzehnten, gerade in Ballungsräumen wie München, Hamburg oder Frankfurt.
Warum wird der Kinderfreibetrag oft missverstanden?

Der Freibetrag von 400.000 Euro gilt pro Kind und pro Elternteil separat — ein Kind kann also von Vater und Mutter jeweils bis zu 400.000 Euro steuerfrei erben oder geschenkt bekommen, zusammen also bis zu 800.000 Euro, solange beide Vorgänge getrennt betrachtet werden. Bei Schenkungen kommt hinzu, dass sich dieser Freibetrag alle zehn Jahre erneuert — wer frühzeitig plant, kann über mehrere Jahrzehnte hinweg deutlich mehr steuerfrei übertragen, als eine einmalige Schenkung erlauben würde.
Was bedeutet das für die praktische Planung?
Wer den Freibetrag nicht ausnutzt, weil er ihn für höher hält als er ist, oder ihn falsch zwischen den Elternteilen aufteilt, zahlt möglicherweise unnötig Schenkung- oder Erbschaftsteuer auf Beträge, die eigentlich steuerfrei hätten bleiben können. Die Steuersätze oberhalb der Freibeträge steigen zudem progressiv mit der Höhe des übertragenen Vermögens und der Steuerklasse, sodass sich falsch aufgeteilte Schenkungen über mehrere Zehntausend Euro an unnötiger Steuer summieren können, ohne dass die betroffenen Familien das im Vorfeld überhaupt bemerken.
- Prüfen Sie, ob Schenkungen von Vater und Mutter getrennt dokumentiert und jeweils dem richtigen Freibetrag zugeordnet werden — vermischte Schenkungen können zu unnötiger Steuer führen.
- Wenn frühzeitige Vermögensübertragung geplant ist, kann eine gestaffelte Schenkung über mehrere Zehnjahresperioden den Freibetrag mehrfach ausschöpfen.
- Enkelkinder haben einen eigenen, niedrigeren Freibetrag (200.000 Euro) als Kinder — das bei mehrgenerationaler Planung nicht mit dem Kinderfreibetrag verwechseln.
- Auch nichteheliche Lebenspartner ohne eingetragene Partnerschaft fallen in eine deutlich ungünstigere Steuerklasse mit einem Freibetrag von nur 20.000 Euro — ein Punkt, der bei unverheirateten Paaren häufig übersehen wird.
Das bedeutet nicht, dass jede Familie automatisch von diesen Freibeträgen profitiert — wer erst kurz vor dem Erbfall plant, kann die Zehnjahresfrist für Schenkungen nicht mehr rückwirkend nutzen. Wer dagegen frühzeitig anfängt, kann durch mehrfach genutzte Freibeträge über zwei oder drei Zehnjahresperioden hinweg einen erheblichen Teil des Vermögens vollständig steuerfrei übertragen, ohne dass am Ende eine einzige größere Schenkung nötig wird.
Der Unterschied zwischen 'ein Kind hat 400.000 Euro Freibetrag' und 'ein Kind hat bis zu 800.000 Euro Freibetrag, wenn beide Eltern getrennt schenken' zeigt, wie sehr das Verständnis der Regeln über die tatsächliche Steuerlast entscheidet. Dieser Beitrag beschreibt die allgemeinen Freibeträge nach deutschem Erbschaft- und Schenkungsteuerrecht; individuelle Fälle mit Vorschenkungen, Immobilienvermögen oder besonderen Vermögensarten wie Betriebsvermögen sollten in jedem Fall konkret mit einem Steuerberater durchgerechnet werden, bevor größere Übertragungen tatsächlich stattfinden.
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