Wie Der Garantiezins Ihre Lebensversicherung Verändert
Der Höchstrechnungszins für neue Lebensversicherungen ist seit den 1990ern auf einen Bruchteil gefallen — das verändert, ob sich eine Kapitalpolice noch lohnt.

Wer sich zum Thema Lebensversicherung beraten lässt, hört oft, eine Kapitallebensversicherung sei die 'sicherere' Wahl, weil sie Schutz und Sparen kombiniert. Was dabei selten erklärt wird: Wie stark sich die Attraktivität dieser Kombination verändert hat, seit die garantierten Zinsen für neue Verträge über die Jahre immer weiter gesunken sind.
Bei Lebensversicherungen mit Todesfallschutz gibt es zwei grundverschiedene Typen. Die Risikolebensversicherung zahlt nur im Todesfall innerhalb der vereinbarten Laufzeit — reiner Schutz, keine Ansparung. Die Kapitallebensversicherung kombiniert diesen Schutz mit einem Sparanteil, der über die Vertragslaufzeit einen garantierten Rechnungszins erhält. Klingt nach der bequemeren Lösung, ist inzwischen aber ein ganz anderes Angebot als noch vor 20 Jahren.
Warum ist der Garantiezins inzwischen so ein Problem?

Der staatlich festgelegte Höchstrechnungszins für neu abgeschlossene Kapitallebensversicherungen lag 1994 noch bei 4 Prozent — seither ist er über mehrere Anpassungen auf einen Bruchteil davon gesunken. Das bedeutet: Neuverträge garantieren heute einen deutlich geringeren Sparertrag als ältere Verträge aus den 1990er- oder frühen 2000er-Jahren. Hinzu kommt, dass Abschluss- und Verwaltungskosten in den ersten Vertragsjahren zuerst aus den Beiträgen gedeckt werden — wer früh kündigt, bekommt oft deutlich weniger Rückkaufswert ausgezahlt, als er eingezahlt hat.
Was empfehlen Verbraucherschützer stattdessen?
Verbraucherzentralen raten in den meisten Fällen zu einer reinen Risikolebensversicherung für den eigentlichen Todesfallschutz — sie ist für dieselbe Versicherungssumme erheblich günstiger, weil kein Sparanteil mitfinanziert werden muss. Wer zusätzlich sparen möchte, kann das getrennt über ein Depot oder einen Banksparplan tun, statt beides in einem einzigen, wenig flexiblen Vertrag zu bündeln. Getrennte Produkte lassen sich zudem unabhängig voneinander kündigen oder anpassen, was bei einer gebündelten Kapitallebensversicherung kaum möglich ist, ohne beide Bestandteile gleichzeitig zu verlieren.
- Klären Sie zuerst, ob Sie reinen Todesfallschutz oder ausdrücklich eine Sparkomponente wollen — Kapitallebensversicherung koppelt beides fest zusammen.
- Für einen bestehenden Altvertrag mit hohem Garantiezins (vor allem aus den 1990ern) kann eine Kündigung trotzdem ein Fehler sein — hier lohnt sich ein Blick auf die individuellen Vertragsbedingungen.
- Bei klar befristetem Bedarf (Restlaufzeit einer Baufinanzierung, Zeit bis zur Selbstständigkeit der Kinder) deckt eine Risikolebensversicherung dieselbe Summe meist für einen Bruchteil des Beitrags ab.
- Beim Vergleich mehrerer Angebote nicht nur auf die monatliche Prämie schauen, sondern auch auf die konkrete Überschussbeteiligung und die tatsächliche Verzinsung über die gesamte Laufzeit.
Das heißt nicht, dass eine Kapitallebensversicherung grundsätzlich eine schlechte Entscheidung ist — für jemanden, der bewusst Schutz und eine erzwungene Sparroutine in einem einzigen Vertrag bündeln möchte, kann die Kombination weiterhin passen. Entscheidend ist nur, dass 'lebenslang' und 'automatisch die bessere Wahl' zwei verschiedene Dinge sind, und dass der heute garantierte Zinssatz mit dem eines Vertrags aus den 1990er-Jahren kaum noch vergleichbar ist — ein Unterschied, der sich über eine Laufzeit von 20 oder 30 Jahren spürbar summiert.
Weder die Risikolebensversicherung noch die Kapitallebensversicherung ist grundsätzlich die bessere Wahl — für einen befristeten Bedarf ist reiner Schutz meist die günstigere Lösung, während ein alter Vertrag mit hohem Garantiezins gute Gründe haben kann, bestehen zu bleiben. Dieser Beitrag beschreibt die allgemeine Struktur deutscher Lebensversicherungen; die tatsächlichen Konditionen hängen vom jeweiligen Vertrag und Versicherer ab und sollten anhand der eigenen Vertragsunterlagen geprüft werden.
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